Bulgarien

Wirtschaft

 

Nach ansehnlichen Wachstumsraten zwischen 2000 und 2008 – meistens über 6 Prozent - ging der weltweite Konjunktureinbruch 2009 auch an Bulgarien nicht spurlos vorüber (BIP: minus 5,5 Prozent). 2010 wurde die Wende geschafft: +0,2 Prozent; 2011: +1,8 Prozent, 2012 +0,8 Prozent; 1. Halbjahr 2013: +0,3. Das Bruttoinlandsprodukt Bulgariens beträgt rund 40 Mrd. € = 1,5 Prozent des deutschen BIP.

Im Gegensatz zu den meisten EU-Staaten kann Bulgarien solide Staatsfinanzen vorweisen. Die Bruttoverschuldung des Staates lag mit 7,4 Mrd. € Ende Juli 2013 bei 18,0 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, die Neuverschuldung im 1. Halbjahr nahe bei 0 Prozent, erwartet für 2013: 2 Prozent. Von dem festen Wechselkurs der Landeswährung gegenüber dem Euro und dem geringen Haushaltsdefizit will sich auch die neue sozialistisch geführte Regierung nicht lossagen. Sie hat jedoch eine gewisse Abkehr von der konsequenten Austeritätspolitik der Vorgängerregierung eingeleitet. Den Plan, ein zweites bulgarisches Atomkraftwerk in Belene zu bauen, hat die neue Regierung wieder aufgenommen, obwohl EU und Weltbank-Studien belegt haben, dass kein Bedarf dafür besteht. Dies hat zumindest die EU-Kommission auf einer Energiekonferenz in Sofia am 8.10.2013 festgestellt.

Bulgarien hat als ärmstes EU-Land mit rund 46 Prozent des EU-BIP pro Kopf (nach Kaufkraftstandards; nominal sind es nur rund 20 Prozent) noch einen weiten Weg vor sich, um den Abstand aufzuholen. Praktisch nichts wurde gegen die hohen Einkommensdisparitäten mit sehr niedrigen Durchschnittslöhnen getan (Mindestlohn: 1 €/h). Mit den gegenwärtigen Wachstumsraten ist dies auch nicht zu schaffen. Die von der Vorgängerregierung gesteigerte Absorption von EU-Fonds hat bis Anfang Oktober 2013 zur Auszahlung von fast 49 Prozent der für Bulgarien zur Verfügung stehenden Mitteln des Planungszeitraums 2007-2013 erreicht. Hauptgrund für den mangelnden Abruf verfügbarer EU-Mittel ist die unzureichende Kapazität der bulgarischen Verwaltung, überzeugende Vorhaben im Interesse des Gemeinwesens auszuarbeiten und oft auch der fehlende politische Wille, den nationalen Eigenanteil zu finanzieren. Der Abfluss von EU-Mitteln läuft schlechter als in fast allen anderen EU-Staaten, obwohl Wertschöpfungsinvestitionen in Bulgarien nur zu geringen Teilen aus nationalen Eigenanstrengungen finanziert werden. Insgesamt ist das Wirtschaftssystem vielfach nicht wettbewerblich ausgerichtet, sondern wird über Beziehungen einflussreicher Kreise organisiert. EU-Mittel könnten laut Analyse des makroökonomischen Modells „SIBILA“ auf das BIP einen positiven Einfluss von 2 Prozent haben, der bis 2015 sogar auf 9,3 Prozent steigen könne.

(Quelle: Auswärtiges Amt/Wirtschaft)

 

 

Die Inflation lag im Jahresdurchschnitt 2011 bei 2,8 Prozent, stieg 2012 auf 4,2 Prozent, sank dann aktuell gar auf negative Werte (-2,2 Prozent bis August 2013; Strompreis -5 Prozent). Die Leistungsbilanz war Ende 2011 positiv (+39 Mio. Euro), und nach einem Defizit im Jahr 2012 von -528 Mio. Euro sind die neuesten Zahlen wieder im positiven Bereich: +372 Mio. Euro (Januar bis Juli 2013).

Die Arbeitslosenquote steigt seit 2010 und hat Ende 2012 über 12 Prozent erreicht. Letzte Zahlen: 13,0 Prozent (August 2013); 23,6 Prozent der Jugend (Alter: 15 - 29) und 22 Prozent aller 15 - 24-Jährigen arbeiten nicht und lernen nicht (zum Vergleich: in den Niederlanden sind es 4 Prozent, in Deutschland 8 Prozent). Ausländische Direktinvestitionen bleiben schwach: rund 4 Prozent des BIP; relative Zunahme amerikanischer und chinesischer Investitionen mit Russland in den Startlöchern (SouthStream, Belene, Immobilien).

Die nach den Wahlen vom 12. Mai 2013 sozialistisch geführte Regierung (aus BSP und DPS)  hat das Hauptproblem der bulgarischen Wirtschaft, die fehlende Wettbewerbsorientierung und die mangelnde Nachfrage, bisher nur zögerlich in Angriff genommen. Maßnahmen zur Korrektur der aufklaffenden Einkommensschere sind bisher unterblieben, insbesondere gibt es keine Abkehr vom Prinzip der „flat tax“ mit stark degressiver Wirkung. Die Löhne dürften sich nach Marktgesetzen bei eher steigender Arbeitslosigkeit kaum nach oben bewegen. Soziale und die Konjunktur belebende Maßnahmen fehlen bisher weitestgehend, wenn man von Ankündigungen zur Hilfe für „Energiearme“ vor dem nächsten kalten Winter und der angedachten Pauschalzahlung von 50 Leva an alle Pensionäre absieht.

(Quelle: Auswärtiges Amt/Wirtschaft)

 

2010

2011

2012

2013*

2014*

Bruttoinlandprodukt (BIP, nom., Mrd. Euro)

 

 

39,7

41,0

42,4

BIP je Einwohner (Euro)

4.800

5.200

5.400

Inflation (in %)

 

2,4

0,5

1,4

Arbeitslosigkeit (in %)

 

 

12,3

12,9

12,4

Währung: Bulgarischer Lew (Lw)

1 Lew = 100 Stotinki

Kurse (Ankauf) 1 EUR = ? Lw

Kurse (Ankauf) 1 US$ = ? Lw


1,956

1,478


1,956

1,407


1,96

1,524


Warenexporte in Mrd. EUR

15,6

20,3

20,8

 

Warenimporte in Mrd. EUR

19,2

23,4

25,5

 

Zuflüsse ausländischer Direktinvestitionen
in Mio. US$ (Kumulierter Bestand 2010: 47.231)

1.524,7

 

1.827,5

1.899,4

 

Deutsche Einfuhr (in Mio. EUR)

1.645,8

2.087,2

2.170,9

 

Deutsche Ausfuhr (in Mio. EUR)

2.175,2

2.370,3

2.714,2

 

* Prognose bzw. Schätzung

(Quelle: gtai/Wirtschaftsdaten November 2013)

 

Die Ausfuhren verteilen sich wie folgt:

 

Das Handelsvolumen sank 2009 zwar auf 28,6 Mrd EUR (2008: 40,2 Mrd EUR), stieg aber 2010 wieder um 21,6 Prozent (34,8 Mrd EUR), 2011 um 25,2 Prozent auf 43,6 Mrd EUR und dann auf 46,6 Mrd. Euro (höher als das BIP). Neueste Zahlen vom Januar bis Juli 2013: 27,5 Mrd EUR (+3,8 Prozent im Vergleich zum Zeitraum Januar bis Juli 2012), davon Export 12,7 Mrd EUR (+8,0 Prozent) und Import 14,8 Mrd EUR (+0,5 Prozent).

Die wichtigsten Handelspartner Bulgariens im Jahr 2012 waren: EU, Russland, Deutschland, Italien, Rumänien, Türkei, Griechenland, Frankreich und China.

Die wirtschaftlichen Beziehungen zu Deutschland sind eng. Deutschland hat sich 2013 (bislang) erstmals vor Russland und vor Italien, Rumänien, der Türkei und Griechenland als wichtigster Handelspartner positioniert, der vor allem die meisten bulgarischen Waren abnimmt (fast ausgeglichenes Verhältnis). Etwa 5.000 Firmen sind im Bulgarien-Geschäft tätig, davon haben 1.200 eine meist von Bulgaren geleitete Vertretung vor Ort.

(Quelle: Auswärtiges Amt/Wirtschaft)

Die Hauptexportpartner sind:

 

 

Die deutschen Einfuhrgüter (% der Gesamteinfuhr) setzten sich im Jahr 2012 wie folgt zusammen: Textilien/Bekleidung 18,0; NE-Metalle 13,5; Elektrotechnik 10,3; Maschinen 9,6; Kfz und -Teile 4,5; Sonstige 44,1

Einstufung in Länderratings

 

Land
Position 1

Rang Deutschlands

Rang Bulgariens

Global Competitiveness Index 2013-2014

 

Schweiz

4

60

Corruption Perceptions Index 2013

 

Neuseeland

12

77

Index of Economic Freedom 2014

 

Hongkong

18

61

Foreign Direct Investment Confidence Index 2013

United States

 

7

nicht in den TOP 25

Doing Business 2013

Singapur

21

58