Estland

Wirtschaft

 

Estland verfolgt eine liberale Wirtschaftspolitik. Im Weltwirtschaftsforum-Ranking der wettbewerbsfähigsten Länder belegte Estland 2013/2014 den 32. Platz.

Nach der starken Rezession 2008/2009 hat die estnische Wirtschaft ihre Krise weitgehend hinter sich gelassen. Nach einem soliden Wachstum in den Jahren 2011 (9,6%) und 2012 (3,9%) musste allerdings 2013 vor allem aufgrund der stark gesunkenen Exportnachfrage wichtiger Handelspartner (Finnland, Russland, Schweden) die Wachstumsprognose mehrfach nach unter korrigiert werden und erreichte nach vorläufigen Zahlen nur 0,7%. Für die nächsten Jahre wird wieder mit deutlich höheren Wachstumsraten gerechnet (aktuelle Prognose des Finanzministeriums für 2014: 3,6% ).

Estland verfügt über ein weitgehend liberalisiertes Arbeitsrecht, das im Arbeitsvertragsgesetz 2009 umfassend modifiziert wurde. Damit verbunden sind die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes und eine Verbesserung der Sozialversicherungsstandards von Arbeitnehmern.

Die Grundlage für die wirtschaftliche Erholung bilden zunehmend auch eine stärkere Inlandsnachfrage. Nach dem historischen Höchststand von 19 Prozent im 1. Quartal 2010 geht die Arbeitslosigkeit seitdem kontinuierlich zurück. Sie liegt heute mit 8,6 Prozent unter dem EU-Durchschnitt. Angesichts niedriger Gehälter stellt die Abwanderung junger qualifizierter Kräfte ins Ausland ein Problem dar.

(Quelle: Auswärtiges Amt/Wirtschaft)

Eine liberale Wirtschaftspolitik sowie die Rechtsangleichung an EU-Richtlinien gelten als gute Investitionsbedingungen für ausländische Unternehmen. Unabhängig von ihrer Herkunft werden Investoren und Unternehmer in Bezug auf Verwaltungsverfahren, Steuerpolitik etc. gleich behandelt.

Als Wettbewerbs- und Standortvorteil gilt eine attraktive Unternehmensbesteuerung. Für Körperschaften wird die Einkommensteuer von derzeit 21 Prozent erst dann erhoben, wenn Gewinne ausgeschüttet werden.

Im 2013 betrug das Außenhandelsvolumen 25,8 Milliarden Euro (2012: 26,4 Milliarden Euro) mit einem Exportanteil von 12,2 Milliarden Euro (2012: 12,5 Milliarden Euro) und einem Importanteil von 13,6 Milliarden Euro (2012: 13,8 Milliarden Euro). Das Handelsbilanzdefizit betrug rund 1,4 Mrd. Euro
(2012: 1,3 Milliarden Euro).

Die EU-Mitgliedstaaten und Russland sind die wichtigsten Handelspartner Estlands. Die Ausfuhren in die europäischen Länder bestehen im Wesentlichen aus Maschinen, Geräten und Anlagen, Holz(-produkten), Metall(-waren) und Textilien sowie Öl aus Ölschiefer und Elektroenergie.

Die Messeaktivitäten in Estland konzentrieren sich örtlich auf Tallinn und Tartu, inhaltlich auf den privaten Konsumbereich. Den größten Zulauf verzeichnen die jährliche Baumesse (Eesti Ehitab), die Maschinenbaumesse (Instrutec) und die Tourismusmesse.

(Quelle: Auswärtiges Amt/Wirtschaft)

 

2010

2011

2012

2013*

2014*

Bruttoinlandprodukt (BIP, nom., Mrd. Euro)

17,4

18,5

19,7

BIP je Einwohner (Euro)

10.700

12.100

13.000

Inflation (in %)

5,1

4,2

3,4

2,8

Arbeitslosigkeit (in %)

12,5

10,2

9,3

9,0

Währung: Euro (EUR)

1 Euro = 100 Cent

Kurse (Ankauf) 1 EUR = ? US$

Kurse (Ankauf) 1 US$ = ? EUR

 

 

1,326

 

 

 

1,392

 

 

 

1,285

 

 

 

 

 

Warenexporte in Mrd. Euro

8,7

12,0

12,6

 

Warenimporte in Mrd. Euro

9,3

12,7

13,8

 

Zuflüsse ausländischer Direktinvestitionen
in Mio. Euro (Bestand 2012: 14.667)

1.207

245

1.181

 

Deutsche Einfuhr (in Mrd. EUR)

0,4

0,5

0,5

 

Deutsche Ausfuhr (in Mrd. EUR)

1,2

1,6

1,6

 

* Prognose bzw. Schätzung

(Quelle: gtai/Wirtschaftsdaten Kompakt November 2013)

 

Die Ausfuhren verteilen sich wie folgt:

Zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen gehören Finanzdienstleistungen, Transport/Logistik, Telekommunikation, Tourismus, Handel und die Immobilien- und Baubranche. Land- und Forstwirtschaft sowie Fischerei spielen hingegen eine eher untergeordnete Rolle.

Der Güterumschlag in den estnischen Häfen, auch der Transithandel mit Rohstoffen aus Russland, ging 2013 im Vergleich zum Vorjahr um 1,1 Prozent zurück. Insgesamt wurden 42,9 Millionen Tonnen umgeschlagen. Generell verschärft sich der Wettbewerb im Transport- und Logistikbereich, da vor allem Russland, aber auch die anderen baltischen Staaten den Ausbau ihrer Häfen und Logistikinfrastruktur stark vorantreiben. Estland reagiert darauf mit diversen Investitionsmaßnahmen sowie einer stärkeren Diversifizierung. Im Passagierbereich hingegen verzeichneten die estnischen Häfen 2013 erneut ein Rekordaufkommen von 9,2 Millionen Menschen.

In Estland genießen moderne Informations- und Kommunikationstechnologien eine hohe Akzeptanz; PCs, Mobiltelefone und Internetbanking sind weit verbreitet. Das Land ist stolz auf innovative Projekte wie die flächendeckende Anwendung von "e-government" oder "e-learning". Bei den Kommunalwahlen im Oktober 2005 wurde das „e-voting“ erstmals angewandt. Bei den Kommunalwahlen am 20.Oktober 2013 wurden 133.662 Stimmen (21,2%) elektronisch abgegeben

Estlands Tourismussektor zählte bis zur globalen Wirtschafts- und Finanzkrise zu den wachstumsstärksten Branchen des Landes (bis zu 8 Prozent des BIP. Die Erholung der Weltwirtschaft, die Einrichtung neuer Flugverbindungen und die vergleichsweise günstigen Übernachtungskosten haben den Auslandstourismus insgesamt ansteigen lassen (im Vergleich zum Vorjahr um 13 Prozent). Die Zahl der Übernachtungen ausländischer Gäste erhöhte sich um 5 Prozent auf 1,9 Millionen. Darüber hinaus besuchten im vergangenen Jahr 525.775 Kreuzfahrt-Touristen das Land.

Quelle: (Auswärtiges Amt/ Wirtschaft)

Die Hauptexportpartner sind:

Deutschland ist zusammen mit Finnland, Schweden und Russland einer der wichtigsten Handelspartner Estlands. Der An­teil des Warenverkehrs von Januar bis Juni 2010 zwischen Estland und Deutschland betrug etwa 8 Prozent (rund 651,5 Millionen Euro) des estnischen Außenhandelsvolumens. Deutschland ist drittgrößter Lieferant der estnischen Importe(nach Finnland und Lettland) mit einem Anteil von etwa 10 Prozent am estnischen Im­portvolumen (Importe aus Deutschland von Januar bis Juni 2010: knapp 442 Millionen Euro). Als Ziel­land für estnische Exporte liegt Deutschland auf dem fünf­ten Platz mit etwa 5 Prozent aller estnischen Exporte (Ex­porte nach Deutschland von Januar bis Juni 2010: rund 209,5 Millionen Euro). Wichtigstes Ex­portzielland für Estland ist Finnland (17 Prozent der estnischen Exporte).

Zum 30.06.2010 betrug der deutsche Anteil der ausländischen Direktinvestitionen in Estland (insge­samt: 12 Milliarden Euro) etwa 2,5 Prozent (rund 299,6 Millionen Euro). Deutschland steht damit auf Platz 6 der ausländischen Direktinvestitionen in Estland. Größter ausländischer Direktinve­stor ist Schweden mit etwa 4 Milliarden Euro (rund 36,9 Prozent der ausländischen Direktinvestitionen in Estland).

Quelle: (Auswärtiges Amt/ Außenwirtschaft)

Einstufung in Länderratings

 

Land
Position 1

Rang Deutschlands

Rang Estlands

Global Competitiveness Index 2013-2014

 

Schweiz

4

32

Corruption Perceptions Index 2013

 

Neuseeland

12

28

Index of Economic Freedom 2014

 

Hongkong

18

16

Foreign Direct Investment Confidence Index 2013

United States

 

7

nicht in den TOP 25

Doing Business 2014

Singapur

21

22