Indien

Wirtschaft

 

Im Haushaltsjahr 2012/13 wuchs das Bruttoinlandsprodukt auf 1.433 Mrd € (1,823 Mrd US-Dollar) bei einem Pro-Kopf-Einkommen von 982 Euro/Jahr (1.250 US-Dollar). Der Agrarsektor wuchs mit 1,8 Prozent vergleichsweise schwach (3,8 Prozent im Vorjahr), das Wachstum des Industriesektors sank im Vergleich zum Vorjahr (3,1 Prozent gegenüber 3,5 Prozent im Vorjahr); der Dienstleistungssektor wuchs mit 6,6 Prozent geringfügig schwächer als im Vorjahr (8,2 Prozent im Vorjahr).

Bei Industrie und Dienstleistungen dürften sich verschiedene Folgeeffekte der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise bemerkbar machen (z.B. schwache externe Nachfrage); intern können die ungewöhnlich hohen Gewinnmargen der letzten Jahre ohne einen neuen Investitionszyklus nicht gehalten werden. Ohne Investitionen im großen Stil in beschäftigungsintensiven Branchen (wie z.B. Leder, Elektronik) wird sich Indien nicht aus Armut und Unterentwicklung befreien können. Indien setzt hierfür auf die Förderung des verarbeitenden Gewerbes. Eine Politik zur Förderung der Elektronikindustrie setzt dabei auf ein Zusammenspiel aus steuerlichen Anreizen und protektionistischen Maßnahmen.

Defizite im Infrastrukturbereich erweisen sich als einer der größten Hemmschuhe für höheres Wachstum. Hier setzt die Regierung mit gigantischen Infrastrukturprojekten an. Zwischen Delhi und Mumbai soll um eine neue Hochgeschwindigkeitsstrecke für Hochgeschwindigkeitsgüterzüge ein Verkehrs- und Industriekorridor mit modernen, ökologisch durchdachten Stadtansiedlungen ("Smart Cities") entstehen, der "Delhi-Mumbai Industrial Corridor". Weitere "Korridore" sollen von West nach Ost durch die Gangesebene Delhi und Kalkutta sowie Mumbai mit den wirtschaftlichen Zentren Bangalore und Chennai im Süden verbinden.

Die Arbeitslosigkeit wird nach den letzten verfügbaren offiziellen Zahlen (2009 – 2010) mit 6,6 Prozent angegeben; aber schon angesichts der Größe und mangelnden statistischen Erfassbarkeit des "informellen Sektors" (Problem der Unterbeschäftigung in weiten Teilen) dürfte diese sehr viel höher liegen.

Die Inflation, angefacht vor allem von der globalen Entwicklung der Öl- und der Nahrungsmittelpreise, aber auch von der Verteuerung anderer volkswirtschaftlich wichtiger Güter wie Stahl, Zement oder Dünger, impliziert für Regierung und Zentralbank einen kaum auflösbaren Zielkonflikt zwischen Wachstum und Preisstabilität. Zuletzt geriet die Rupie unter erheblichen Druck. Im Zeitraum Mai – August 2013 sank ihr Wert gegenüber dem US-Dollar zwischenzeitlich um 20 Prozent. 

(Quelle: Auswärtiges Amt/Wirtschaft)

Zu den Hauptcharakteristika der indischen Volkswirtschaft gehört das Missverhältnis zwischen BIP- und Beschäftigungsanteil bei Landwirtschaft und Dienstleistungen (mit umgekehrten Vorzeichen) und eine vergleichsweise geringe Bedeutung der verarbeitenden Industrie. Die überwiegende Mehrheit der indischen Bevölkerung lebt in überkommenen ländlich-bäuerlichen Strukturen und bleibt wirtschaftlich marginalisiert. Der BIP-Anteil der Landwirtschaft sinkt seit Jahren kontinuierlich und beträgt nur noch 13,8 Prozent (2011/12: 14,1 Prozent). Angesichts gravierenden Kapitalmangels, viel zu kleiner Anbauflächen, stagnierender Erträge und fehlender Absatzstrukturen bleibt der Sektor, von dem weiterhin über die Hälfte aller Inder direkt abhängen (Beschäftigungsanteil 52 Prozent), Hauptsorge jeder indischen Regierung. Um die größte Not auf dem Lande zu mildern, wird inzwischen ein öffentliches Beschäftigungsprogramm für Familien unterhalb der Armutsgrenze implementiert. Es garantiert 100 Tage bezahlte Beschäftigung für jeweils ein Familienmitglied. Außerdem ratifizierte das Parlament im September 2013 ein Gesetz zur Sicherung der Nahrungsmittelversorgung für etwa zwei Drittel der Bevölkerung (Food Security Bill).

Wachstum und Wohlstand verdanken sich hingegen vor allem dem Dienstleistungssektor (65 Prozent BIP, 2011/12: 59 Prozent), wovon aber bei einem Beschäftigungsanteil von etwa 30 Prozent nur eine Minderheit der Bevölkerung profitiert. Die zur Überwindung der Massenarmut notwendige massive Schaffung neuer Arbeitsplätze, vor allem auch für nicht oder gering qualifizierte Kräfte, kann aus Sicht der Regierung am ehesten in der Industrie bzw. im verarbeitenden Gewerbe erfolgen, dort liegt der BIP-Anteil (leicht rückgängig) bei 27 Prozent.

Nur ca. 8 Prozent aller Beschäftigten stehen in einem vertraglich geregelten Arbeitsverhältnis. Die übrigen 92 Prozent werden dem sog. "informellen Sektor" zugerechnet - sie sind weder gegen Krankheit oder Arbeitsunfälle abgesichert, noch haben sie Anspruch auf soziale Leistungen oder Altersversorgung.

Neben der dynamisch expandierenden Privatwirtschaft, deren Investitionen entscheidend zur hohen Gesamtinvestitionsrate von 35 Prozent BIP (2011/12) beitragen, bleiben eine Reihe von Sektoren (insb. Öl, Gas, Kohle; Schwerindustrie; Transportwesen, Banken und Versicherungen) weitgehend von öffentlichen bzw. halböffentlichen Unternehmen dominiert. Mehrere Anläufe der reformerischen Kräfte in der Regierung, diese Strukturen wenigstens in kleinen Schritten aufzubrechen, sind bislang gescheitert.

(Quelle: Auswärtiges Amt/Wirtschaft)

 

2010

2011

2012

2013*

2014*

Bruttoinlandprodukt (BIP, nom., Mrd. US$)

1.841,7

1.758,2

1.750,0

 

BIP je Einwohner (US$)

 

 

1.500,8

1.414,1

1.389,2

Inflation (in %)

 

 

10,4

10,9

8,9

Arbeitslosigkeit (in %)

3,8

Währung: Indische Rupie (iR)

1 iR = 100 Paise (P)

Kurse (Ankauf) 1 EUR = ? iR

Kurse (Ankauf) 1 US$ = ? iR

 

 

61,390

46,170

 

 

65,940

47,270

 

 

69,800

53,820

 

 

Warenexporte in Mrd. US$

220,4

301,5

289,6

Warenimporte in Mrd. US$

350,0

462,4

489,0

Zuflüsse ausländischer Direktinvestitionen
in Mio. US$ (Bestand 2010: 205.580)

21.383

35.121

22.423

Deutsche Einfuhr (in Mrd. EUR)

350,0

462,4

489,0

 

Deutsche Ausfuhr (in Mrd. EUR)

220,4

301,5

289,6

 

* Prognose bzw. Schätzung

(Quelle: gtai/Wirtschaftsdaten Kompakt November 2013)

 

Die Ausfuhren verteilen sich wie folgt:

Indien hat sich in den vergangenen Jahren zunehmend gegenüber dem Ausland geöffnet. In den meisten Bereichen der Wirtschaft sind mittlerweile ausländische Direktinvestitionen zugelassen und die Obergrenzen für ausländische Beteiligungen wurden entweder ganz abgeschafft oder ausgeweitet. Die Regierung hat jüngst eine stärkere Öffnung des Einzelhandels und des Luftverkehrs für ausländische Investoren beschlossen sowie Vorschläge zur Anhebung der Prozentschwellen für Auslandsinvestitionen bei Versicherungen und Pensionsfonds vorgelegt. Die entsprechende Novellierung des Versicherungsgesetzes bedarf allerdings der parlamentarischen Zustimmung, die nach mehreren Anläufen immer noch aussteht. Zu den wenigen Branchen, die für ausländisches Kapital komplett gesperrt bleiben, gehören die Landwirtschaft sowie jene Handwerksbereiche, die in Indien der Kleinindustrie "small scale industries" vorbehalten bleiben und wo industrielle Massenfertigung generell nicht zugelassen ist. Außerdem sind Eisenbahnen und Kernkraft für ausländische Investitionen nach wie vor verschlossen. In der immer noch staatlich dominierten Rüstungsindustrie wurde die lange geltende strenge Prozentobergrenze von 26 Prozent zuletzt etwas gelockert. Neben einer vermeintlichen Beeinträchtigung der nationalen Sicherheit sind es vor allem sozial- bzw. beschäftigungspolitische Vorbehalte, die in einzelnen Bereichen einer weiteren Öffnung für ausländische Investoren im Wege stehen. Es bleibt abzuwarten, ob das Freihandelsabkommen, das die EU mit Indien abzuschließen beabsichtigt, zu substantiell verbessertem Marktzugang führt. Zuletzt sind die Verhandlungen hierüber ins Stocken geraten.

Insgesamt wurden die administrativen Verfahren erheblich gestrafft, um ausländisches Engagement in Indien zu erleichtern. Anstelle der früheren Genehmigungspflicht ist für die Mehrzahl der Sektoren die bloße Anzeigepflicht (sog. "automatic route") getreten. Auch entwickelt sich ein reger Wettbewerb zwischen den Bundesstaaten um die Ansiedlung ausländischer Unternehmen. Die Sektoren mit den höchsten Auslandsinvestitionen sind IT und Elektronik, Dienstleistungen, Transportindustrie (hier vor allem Kraftfahrzeuge) und Energie.

Der indische Außenhandel ist in den letzten zwei Jahrzehnten stark gewachsen; der BIP-Anteil des Außenhandels erhöhte sich von 28 Prozent in 2004/05 auf 43 Prozent im Fiskaljahr 2012/13. Indiens Exporte haben sich im gleichen Zeitraum fast verdreifacht. Der Anteil am Welthandel erreichte 2011 nach WTO-Angaben ca. 1,7 Prozent bei Exporten und 2,5 Prozent bei Importen. Damit nimmt Indien weltweit bei den Exporten Rang 26 und bei den Importen Rang 12 ein. Indische Exporte sind im Fiskaljahr 2012/13 stark gesunken um -1,8 Prozent (im Vorjahr: + 22 Prozent). Importe stiegen um 0,3 Prozent. (Im Vorjahr: + 32 Prozent).

Das wachsende Defizit in der Handels- und der Leistungsbilanz geht hauptsächlich auf die Verteuerung der Ölimporte und die anhaltend starke Nachfrage nach Kapitalgütern zurück.

Obwohl Indien seine angewandten Zölle in den letzten Jahren kontinuierlich gesenkt hat, wehrt es sich im WTO-Rahmen weiterhin gegen eine verbindliche Übernahme entsprechender Verpflichtungen. Nicht nur im weiterhin stark geschützten landwirtschaftlichen Bereich will Indien sich möglichst großen Spielraum bei der Festsetzung der Einfuhr- und Ausfuhrabgaben (z.B. auch bei Stahl, Zement) bzw. -beschränkungen und -verboten (z.B. Reis, Zucker) als Mittel zur Marktregulierung vorbehalten.

(Quelle: Auswärtiges Amt/ Wirtschaft)

Die Hauptexportpartner sind:

Ein Schwerpunkt der indischen Öffnungspolitik ist Europa, welches in Indien in erster Linie als ein supranationaler wirtschaftlicher Block wahrgenommen wird. Die Europäische Union ist noch vor den UAE, China und den USA größter Handelspartner Indiens. Im Jahr 2000 wurden die Beziehungen zwischen der Europäischen Union und Indien durch die Verabredung von jährlichen Gipfeltreffen auf eine neue Basis gestellt. Ein umfassender Aktionsplan für eine Strategische Partnerschaft ("Joint Action Plan") wurde auf dem EU-Indien-Gipfel im Herbst 2005 verabschiedet. Der EU-Indien Gipfel im Dezember 2010 vereinbarte auch die Erweiterung der Zusammenarbeit auf sicherheitspolitische Themen, wie den Kampf gegen den Terrorismus und die Piraterie. Die EU und Indien verhandeln ein ambitioniertes Freihandelsabkommen, dessen Abschluss von beiden Seiten grundsätzlich gewünscht wird.

(Quelle: Auswärtiges Amt/ Außenpolitik)

Einstufung in Länderratings

 

Land
Position 1

Rang Deutschlands

Rang Indiens

Global Competitiveness Index 2012-2013

 

Schweiz

4

60

Corruption Perceptions Index 2013

 

Neuseeland

12

94

Index of Economic Freedom 2014

 

Hongkong

18

120

Foreign Direct Investment Confidence Index 2014

United States

 

7

5

Doing Business 2010

Singapur

21

134