Polen

Wirtschaft

 

Seit der demokratischen Wende hat Polens Wirtschaft ab 1990 eine eindrucksvolle Transformation durchlaufen. Die Regierung setzt einen Liberalisierungs-und Deregulierungskurs fort, der die Privatisierung staatlicher Unternehmen einschließt.  2013 wurden  Privatisierungserlöse von 4,4 Milliarden Złoty erwirtschaftet; für 2014 werden nur noch 3,7 Milliarden Złoty erwartet.

Das bisher größte Börsendebüt eines privaten, nationalen Unternehmens in Warschau war  die Energa S.A. Danzig im Dezember 2013 mit einem Volumen von 2,2 Milliarden Złoty. Die Bruttowertschöpfung erfolgt inzwischen zu fast 57 Prozent im Dienstleistungssektor und zu 22 Prozent in der Industrie; knapp sieben Prozent entfallen auf die Bauwirtschaft und etwas über drei Prozent auf die Landwirtschaft. Fast 80 Prozent der Bruttowertschöpfung erfolgt im Privatsektor, der fast 75 Prozent der Arbeitskräfte beschäftigt.

Polen konnte auch während der Schuldenkrise im Euroraum ein Abgleiten in die Rezession vermeiden und hatte durchgängig ein positives Wachstum aufzuweisen, das im Jahr 2012 bei 1,9 Prozent des BIP lag, im Jahr 2013 auf 1,6 Prozent zurückging und in diesem Jahr wieder auf 2,5 Prozent steigen dürfte.

Dazu tragen eine wirtschaftsfreundliche Politik, die angepasste Nutzung von EU-Fördermitteln für einen konsequenten Ausbau der Infrastruktur, eine hohe Arbeitsmotivation, flexibles Arbeitsrecht, fiskalpolitische Stabilität und das Bemühen um stärkere Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit bei.

(Quelle: Auswärtiges Amt/Wirtschaft)

Zum Ende des vierten Quartals 2013 waren 15,7 Millionen Personen erwerbstätig. Die Erwerbsquote lag bei 56,1 Prozent, die Beschäftigungsquote bei 50,6 Prozent. Im Januar 2014 betrug die Arbeitslosigkeit 14 Prozent, die Zahl der registrierten Arbeitslosen 2,260 Mio.

2012 konnten die Löhne mit der Inflation nicht Schritt halten: Der Reallohn ist gegenüber 2011 um 0,1 Prozent zurückgegangen (erster Reallohnrückgang seit 20 Jahren). Seit 2008 – in dem Jahr verzeichnete Polen noch eine Reallohnsteigerung um neun Prozent – betrug der Anstieg nur noch 1,6 Prozent im Jahresschnitt. Die Löhne unterscheiden sich allerdings stark nach Regionen und Berufsgruppen. Der landesweite Durchschnittslohn aller Branchen betrug in der ersten Hälfte 2013 3.675 Złoty/Monat (889 Euro). Der gesetzliche Mindestlohn betrug 2013 1.600 Złoty (ca. 387 Euro).

Nicht zuletzt wegen des langsameren Wachstums sank die Inflationsrate von 3,7 Prozent im Jahr 2012 auf 0,8 Prozent im Jahr 2013.

Polen bemüht sich um  eine solide Haushaltspolitik und konnte das öffentliche Defizit von 7,9 Prozent des BIP im Jahr 2010 auf 3,9 Prozent im Jahr 2012 senken. Das im Juli 2009 von der EU gegen Polen eröffnete Verfahren wurde wegen des anhaltenden übermäßigen Haushaltsdefizits um zwei Jahre verlängert. Durch die Rentenreform ergibt sich 2014 eine Entspannung bei den Bemühungen um Haushaltskonsolidierung, jedoch wird dieses Effekt ab 2015 wahrscheinlich kaum noch wirksam sein. Dennoch liegt die Gesamtverschuldung – nicht zuletzt wegen der seit 1997 in der Verfassung verankerten Schuldenbremse – weiterhin unter dem Maastricht-Kriterium von 60 Prozent des BIP.

(Quelle: Auswärtiges Amt/Wirtschaft)

 

2010

2011

2012

2013*

Bruttoinlandprodukt (BIP, nom., Mrd. Euro)

370,9

381,2

386,6

BIP je Einwohner (Euro)

9.200,0

9.600,0

9.900,0

Inflation (in %)

2,7

3,9

3,7

1,0

Arbeitslosigkeit (in %)

9,6

9,6

10,1

Währung: Zloty (ZI)

1 ZI = 100 Groszy

Kurse (Ankauf) 1 EUR = ? ZI

Kurse (Ankauf) 1 US$ = ? ZI

 

 

3,9947

3,0157

 

 

4,1206

2,9634

 

 

4,1847

3,2570

 

 

Warenexporte in Mrd. Euro

120,5

135,6

142,8

Warenimporte in Mrd. Euro

134,3

151,3

152,6

Zuflüsse ausländischer Direktinvestitionen
in Mio. US$ (Bestand 2012: 235.113)

14.345

20.653

6.068

Deutsche Einfuhr (in Mrd. EUR)

27,6

32,3

33,5

Deutsche Ausfuhr (in Mrd. EUR)

37,7

43,5

42,2

* Prognose bzw. Schätzung

(Quelle: gtai/Wirtschaftsdaten Kompakt November 2013)

 

Die Ausfuhren verteilen sich wie folgt:

Trotz der wachsenden internationalen Konkurrenz gilt Polen bei deutschen Unternehmen als einer der attraktivsten Standorte in Mittel- und Osteuropa. Zu seinen Stärken werden die EU-Mitgliedschaft Polens gezählt, der Zugang zu umfassenden Fördermitteln (2013: 15 Milliarden Euro netto; seit dem EU-Beitritt 2004 mehr als 54,8 Milliarden Euro), der große, dynamische Binnenmarkt mit 38,5 Millionen Einwohnern, die geographische Nähe zu Deutschland und anderen wichtigen Exportmärkten, die Verfügbarkeit gut ausgebildeter Hochschulabsolventen und qualifizierter, flexibler Fachkräfte sowie die Anwesenheit lokaler Zulieferer und Partner.

(Quelle: Auswärtiges Amt/Wirtschaft)

Die Hauptexportpartner sind:

Der polnische Außenhandel entwickelte sich in den letzten Jahren sowohl auf der Import- als auch der Exportseite dynamisch weiter. Das Schwergewicht des Außenhandels konzentriert sich auf die EU-Länder (76 Prozent der Exporte und knapp 60 Prozent der Importe), wobei Deutschland als mit Abstand größter Handelspartner Polens seit zwei Jahrzehnten eine herausragende Stellung einnimmt (derzeit werden 25 Prozent der polnischen Gesamtausfuhr und etwa 22 Prozent der Gesamteinfuhr mit Deutschland abgewickelt). Weitere wichtige Handelspartner sind Russland, China und Italien bei der Einfuhr und Großbritannien, Tschechien und Frankreich bei der Ausfuhr. Im Jahr 2013 (Jan-Nov) verzeichnete Polen ein Handelsbilanzdefizit von 1,6 Milliarden Euro.

(Quelle: Auswärtiges Amt/Außenhandel)

Einstufung in Länderratings

 

Land
Position 1

Rang Deutschlands

Rang Polens

Global Competitiveness Index 2013-2014

 

Schweiz

4

42

Corruption Perceptions Index 2013

 

Neuseeland

12

38

Index of Economic Freedom 2014

 

Hongkong

18

50

Foreign Direct Investment Confidence Index 2013

United States

 

7

19

Doing Business 2013

Singapur

21

45