Thailand

Wirtschaft

 

Das Sozialprodukt entsteht in Thailand zu 48,1 Prozent im Dienstleistungsbereich, zu rund 43,5 Prozent in der Industrie (einschließlich Bau- und Bergbauindustrie) sowie zu rund 8,4 Prozent in der Landwirtschaft. Der Tourismus bildet mit rund 9 Prozent Anteil (2012: 8,6 Prozent) am Sozialprodukt eine wichtige Devisenquelle. Der Agrarsektor ist unter arbeitsmarkt- und sozialpolitischen Gesichtspunkten bedeutender als es der Anteil am Sozialprodukt vermuten lässt (mit rund 40 Prozent Anteil der Arbeitskräften). Als überaus problematisch hat sich ein Ende 2011 eingeführtes Reisaufkaufprogramm der Regierung erwiesen, das zu hohen Lagerbeständen, enormen Kosten und Schwierigkeiten bei der Lagerung des Reises und den Auszahlungen an die Bauern geführt hat. Der innenpolitische Konflikt seit Ende 2013 erschwert eine Lösung des Problems.

Die thailändische Wirtschaft hat nach der Hochwasserkatastrophe 2011 im Jahr 2012 mit über 6 Prozent Wachstum ihre Fähigkeit unter Beweis gestellt, sich von Krisen rasch zu erholen. Sie hatte sich trotz abgeschwächter Weltkonjunktur und Schuldenkrise in der EU gut behauptet. Das Jahr 2013 war dagegen von nachlassenden Exporten und (insbesondere im letzten Quartal) den einsetzenden politischen Unruhen geprägt (Gesamtwachstum: 2,9 Prozent). Die offizielle Arbeitslosenquote liegt weiter bei niedrigen 0,7 Prozent.

Die Inflationsrate blieb 2013 bei moderaten 2,1 Prozent (2012 3,0 Prozent). Die Zentralbank hatte sich zuversichtlich gezeigt, dass die Anhebung der Mindestlöhne keine deutlichen Auswirkungen auf die Warenpreise haben und die Inflationsrate 2013 sinken würde. Infolge der schwachen Weltkonjunktur entschied sich die Zentralbank im Mai 2013 zur Senkung des Leitzinses von 2,75 auf 2,50 Prozent und Ende 2013 auf 2,25 Prozent.

Die Staatsverschuldung lag 2013 bei 132 Milliarden € (5,39 Billionen Baht) bei rund 45 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP).

Die Währungsreserven lagen 2013 bei 167,2 Milliarden €. Starke Kapitalzuflüsse in Zusammenspiel mit den günstigen fundamentalen Wirtschaftsdaten stellten den Hauptfaktor für die zeitweise Aufwertung der thailändischen Währung im 1. Halbjahr 2013 dar. Der Außenwert gegenüber dem US-Dollar blieb 2013 im Vergleich zum Durchschnittskurs 2012 nahezu unverändert. Das Verhältnis zum Euro lag 2013 bei durchschnittlich 40,81 Baht.

(Quelle: Auswärtiges Amt/Wirtschaft)

 

2010

2011

2012

2013*

2014*

Bruttoinlandprodukt (BIP, nom., Mrd. US$)

366,0

400,9

422,3

BIP je Einwohner (US$)

5.390,4

5.878,8

6.165,6

Inflation (in %)

3,0

2,2

2,1

Arbeitslosigkeit (in %)

0,7

0,7

0,7

Währung: Thailändischer Baht (B)

1 B = 100 Stang

Kurse (Ankauf) 1 EUR = ? B

Kurse (Ankauf) 1 US$ = ? B

 

 

42,294

31,838

 

 

42,846

30,694

 

 

40,374

31,208

 

 

Warenexporte in Mrd. US$

195,3

228,8

229,5

 

Warenimporte in Mrd. US$

182,4

228,5

247,6

 

Zuflüsse ausländischer Direktinvestitionen
in Mio. US$ (Bestand 2012: 159.125)

9.146,8

7.778,7

8.607,5

 

Deutsche Einfuhr (in Mrd. EUR)

3,9

4,1

4,1

 

Deutsche Ausfuhr (in Mrd. EUR)

2,8

3,2

4,2

 

* Prognose bzw. Schätzung

(Quelle: gtai/Wirtschaftsdaten Kompakt November 2013)

 

Für die seit August 2011 amtierende Regierung unter Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra stand zunächst ihre Wirtschaftspolitik mit dem Ziel eines "Wachstums für alle" im Vordergrund. Hinzugekommen war die Sicherung der langfristigen Wettbewerbsfähigkeit, unter anderem durch verstärkte Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur. Die seit November 2013 einsetzenden und von der Auflösung des Parlaments und dem „Bangkok Shutdown“ begleiteten politischen Unruhen haben ein deutliches Fragezeichen hinter diese Entwicklung gesetzt.

Im Jahr 2012 erreichte Thailand trotz eines durch die Schuldenkrise in den westlichen Staaten schwierigen Umfelds ein Wachstum von 6,4 Prozen. Im Jahr 2013 wurde das Wachstum durch die schwache Weltkonjunktur und die nachlassende Binnennachfrage gebremst (1. Quartal: 5,4 Prozent, 2. Quartal: 2,8 Prozent; 3. Quartal: 2,7 Prozent; 4. Quartal: 0,6 Prozent). Für das Gesamtjahr betrug das Wachstum 2,9 Prozent.  Die Regierung erwartet für 2014 ein Wachstum von 3,6 bis 4,6 Prozent  (Bank of Thailand 3 Prozent, Weltbank 4,5 Prozent), wobei die Prognosen stark von der Einschätzung der weiteren politischen Entwicklung abhängen.

Gründe für das voraussichtlich relativ niedrige Wachstum im Jahr 2014 sind eine schwache Binnennachfrage und die Unsicherheit über die weitere politische Entwicklung im Land. Hauptsächlicher Wachstumstreiber könnten die Exporte werden. Auch die beabsichtigten umfangreichen neuen Maßnahmen der Regierung für den Hochwasserschutz (insgesamt sind 350 Milliarden Baht (rund 9 Milliarden Euro) bewilligt) und darüber hinaus gehende Infrastrukturprojekte (Straßen, Eisenbahn, Häfen: dort sind bis 2020 bis zu 2 Trillionen Baht vorgesehen, das entspricht rund 50 Milliarden Euro), sind zum großen Teil auf Eis gelegt, solange sich keine innenpolitische Lösung abzeichnet.

Unabhängig von der aktuellen, politisch schwierigen Lage sind die makroökonomischen Rahmenbedingungen Thailands weiter gut. Thailands Banken haben sich in den vergangenen Jahren als Lehre aus der Asienkrise 1997 von spekulativen Geschäften weitgehend ferngehalten. Die Banken sind gut kapitalisiert (Eigenkapital-Quote von rund 15 Prozent), der Anteil notleidender Kredite ist gering. Die Staatsschuldenquote ist mit rd. 45,3 Prozent (2013) im internationalen Vergleich gering, wenn sie auch in Folge der staatlichen Investitionstätigkeit und im Zuge der Erfüllung populärer Wahlversprechen in Zukunft ansteigen dürfte. Insgesamt stehen die Chancen gut, dass Thailand mittelfristig wieder einen hohen Leistungsbilanzüberschuss erzielen wird.

Weiterhin wirken mehrere nachfragewirksame Maßnahmen der Regierung nach. Die Mindestlöhne für einfache Arbeit wurden zum 1. Januar 2013 landesweit auf 300 Baht pro Tag (rund 7,50 Euro) erhöht. Auch die Gehälter von jungen Hochschulabsolventen in der Verwaltung wurden auf 15.000 Baht angehoben. Weitere Maßnahmen zur Steigerung der Nachfrage betrafen steuerliche Anreize zum Erstkauf von Autos und Wohnungen.

Thailand bekennt sich als Handelsnation zur Ausweitung des Freihandels. Im Vordergrund stand dabei in den letzten Jahren die Integration mit den ASEAN-Partnern und Ländern im Asien-Pazifik-Raum (China, Japan, Indien). EU-Kommission und Thailand haben sich Ende 2012 nach langen Vorarbeiten auf die Aufnahme von Verhandlungen für ein Freihandelsabkommen geeinigt. Die ersten drei Verhandlungsrunden fanden 2013 statt.

(Quelle: Auswärtiges Amt/Wirtschaft)

Die Ausfuhren verteilen sich wie folgt:

Auslandsinvestitionen sind besonders in technologieorientierten Sektoren willkommen und werden vom Board of Investment (BoI) unter anderem durch Steuerermäßigungen und beschleunigte Genehmigungsverfahren gefördert. Zur Abmilderung der Flutschäden wurden Vergünstigungen zum Teil verlängert bzw. ausgeweitet.

Das thailändische Generalkonsulat in Frankfurt beherbergt auch eine Dependance des Board of Investment. In bestimmten Sektoren sind Auslandsinvestitionen nicht oder nur unter Bedingungen zulässig, in anderen Sektoren außerhalb des Verarbeitenden Gewerbes darf die ausländische Beteiligung 49 Prozent nicht überschreiten. Grundlagen regelt der "Foreign Business Act".

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie fördert die Teilnahme an wichtigen Messen in Thailand. Deutsche Messegesellschaften haben 2013 sieben Messen in Thailand durchgeführt. 2013 fanden in Thailand 15 Messen mit Beteiligung deutscher Unternehmen statt und sechs Messen wurden amtlich (mit deutschem Gemeinschaftsstand) gefördert.

(Quelle: Auswärtiges Amt/Wirtschaft)

Die Hauptexportpartner sind:

 

Thailand unterstützt generell den Abschluss der Welthandelsrunde unter besonderer Berücksichtigung der Interessen von Schwellen- und Entwicklungsländern. Gleichzeitig verhandelt es Freihandelsabkommen mit wichtigen Handelspartnern. Thailand hatte bereits mit Japan (2007) ein entsprechendes Abkommen abgeschlossen. Ferner hat es im März 2009 seine bereits bestehenden Freihandelsabkommen mit Australien und Neuseeland im ASEAN-Rahmen erweitert und sich dem Abkommen ASEAN-Korea angeschlossen. Die Fertigstellung eines (zweiten) Freihandelsabkommens mit Indien steht bevor.

Die von Thailand aktiv voran getriebene Integration der Märkte im Rahmen von ASEAN hat zu beträchtlichen Erfolgen geführt (seit 01.01.2010 Zollfreiheit für fast alle Produkte im Handel der so genannten ASEAN-6 Länder, das heißt der wirtschaftlich fortgeschrittensten ASEAN-Mitgliedstaaten; erste Stufe von Zollfreiheit zwischen ASEAN-6 und China). Ab Ende 2015 treten weitere Erleichterungen im ASEAN-Raum in Kraft ( ASEAN Economic Community). Für Deutschland und die EU sind die seit 2013 aufgenommenen Verhandlungen für ein Freihandelsabkommen von entscheidender Bedeutung, um dem bilateralen Handel zusätzliche Impulse zu verleihen. Thailand hat grundsätzliches Interesse signalisiert, an Verhandlungen für ein Trans Pacific Partnership Freihandelsabkommen (TPP) unter Führung der USA teilzunehmen.

Die thailändischen Exporte erreichten 2013 einen Wert von 169,79 Milliarden Euro. Hauptexportgüter Thailands sind, elektrische und elektronische Geräte, Automobile und –teile, chemische Produkte, Edelsteine und Schmuckwaren sowie landwirtschaftliche Produkte, insbesondere Kautschuk, Reis und Meeresfrüchte. Hauptabnehmer thailändischer Produkte sind die ASEAN-Staaten (25,9 Prozent), gefolgt von China (11,9 Prozent), den USA (10,05 Prozent), der EU (9,8 Prozent) und Japan (10,2 Prozent).

Die thailändischen Importe beliefen sich 2013 auf einen Wert von fast 164,7 Milliarden Euro, das entspricht einem Rückgang gegenüber dem Vorjahr um 0,4 Prozent. Thailand importiert rund 16,6 Prozent aller Waren aus den ASEAN-Staaten und 16,4 Prozent aus Japan. 15,1 Prozent der Importe stammen aus China. 14,1 Prozent sind Rohöl- und Ölprodukte aus dem Nahen Osten. Danach folgen die EU mit 9,1 Prozent und die USA mit 5,8 Prozent.

Deutschland ist innerhalb der EU der wichtigste Handelspartner. Das bilaterale Handelsvolumen lag 2013 bei insgesamt 8,2 Milliarden Euro, ein leichter Rückgang gegenüber dem Vorjahr.

(Quelle: Auswärtiges Amt/Außenhandel)

Einstufung in Länderratings

 

Land
Position 1

Rang Deutschlands

Rang Thailands

Global Competitiveness Index 2013-2014

 

Schweiz

4

37

Corruption Perceptions Index 2013

 

Neuseeland

12

102

Index of Economic Freedom 2014

 

Hongkong

18

72

Foreign Direct Investment Confidence Index 2013

United States

 

7

17

Doing Business 2013

Singapur

21

18