Türkei

Wirtschaft

 

Auch wenn die Türkei seit 2012 nicht mehr die überragenden Wachstumsraten der Vorjahre aufweist kann die türkische Volkswirtschaft weiter als robust bezeichnet werden. Im Vergleich zu den europäischen Mitgliedsstaaten erfreut sich die Türkei weiterhin eines überdurchschnittlichen Wachstums von 3-4%. Das Wirtschaftswachstum wird im Wesentlichen durch die Binnennachfrage sowie durch überwiegend öffentliche Investitionen in den Ausbau der Infrastruktur sowie das Bauwesen getragen. Zudem weist die Türkei solide Staatsfinanzen auf. Sowohl das jährliche Haushaltsdefizit von aktuell 1,2% des BIP wie auch die Gesamtschuldenquote von 36% des BIP liegen deutlich unter der Maastricht-Schwelle. Beispielhaft ist auch der türkische Bankensektor, der mit einer durchschnittlichen Eigenkapitalquote von rund 16% an der Spitze der OECD-Länder steht und im Unterschied zu anderen OECD-Ländern während der Krisen der letzten Jahre keinerlei staatlicher Unterstützung bedurfte. Ebenfalls erfreulich entwickelt sich die Kapazitätsauslastung der Industrie, die im Dezember 2013 um knapp 7% gegenüber dem Vorjahr angestiegen ist.

„Achillesferse“ bleibt das chronisch hohe Leistungsbilanzdefizit, das im vergangenen Jahr bei über 65 Mrd. USD (7,5% des BIP) lag. Hauptursache dafür ist die fortbestehende hohe Abhängigkeit von Energieimporten, die allein mehr als 50% des Leistungsbilanzdefizits ausmachen, aber auch die vor allem in höherwertigen Wirtschaftssektoren fehlende internationale Wettbewerbsfähigkeit. Die im internationalen Vergleich sehr niedrige Sparquote (13% des BIP) erschwert die eigenständige Finanzierung dieses Defizits ebenfalls, weshalb die Türkei zum Ausgleich ihrer Leistungsbilanz in hohem Maße abhängig von ausländischen Kapitalzuflüssen ist. Im Jahr 2013 stagnierten die Exporte (rund 152 Mrd. USD, -0,4%) während die Importe um 6,4% (rund 252 Mrd. USD) zunahmen. Damit erhöhte sich das Handelsbilanzdefizit um fast 19%. Hauptursache für das Ungleichgewicht im Außenhandel ist die hohe Importabhängigkeit an Energie- und Rohstoffen sowie Halbwaren für die Industrieproduktion, die im Jahr 2013 insgesamt rund 75% der gesamten Wareneinfuhren ausmachten. Dies hat zur Folge, dass Zuwächse in der Industrieproduktion automatisch weitere Anstiege bei den Einfuhren generieren.

(Quelle: Auswärtiges Amt/Wirtschaft)

 

2010

2011

2012

2013*

2014*

Bruttoinlandprodukt (BIP, nom., Mrd. US$)

788,3

821,8

851,4

BIP je Einwohner (US$)

10.527

10.745

11.011

Inflation (in %)

8,9

6,6

5,3

Arbeitslosigkeit (in %)

9,2

9,4

9,5

Währung: Türkische Lira (TL)

Kurse (Ankauf) 1 EUR = ? TL

Kurse (Ankauf) 1 US$ = ? TL

 

1,996

1,508

 

2,341

1,677

 

2,316

1,801

 

Warenexporte in Mrd. US$

114,0

134,9

152,5

Warenimporte in Mrd. US$

185,5

240,8

236,5

Zuflüsse ausländischer Direktinvestitionen
in Mio. US$, Bestand 2012: 181.066

9.036

16.047

12.419

Deutsche Einfuhr (in Mio. EUR)

10,0

11,8

12,0

Deutsche Ausfuhr (in Mio. EUR)

16,3

20,1

20,1

* Prognose bzw. Schätzung

(Quelle: gtai/Wirtschaftsdaten Kompakt November 2013)

 

Bedingt durch die Rahmenbedingungen auf den globalen Kapitalmärkten (vor allem FED-Politik) und dem darauf folgenden Abzug ausländischer Portfolioinvestitionen (-25% im Zeitraum Mai bis Dezember 2013%) verlor die Landeswährung sukzessive an Wert. Die eingetretene konjunkturelle Abschwächung verstärkte sich durch die anschließenden innenpolitischen Entwicklungen (Gezi-Proteste) noch weiter. Eine weitere Eintrübung der wirtschaftlichen Entwicklung verursachten ab Dezember 2013 die Korruptionsvorwürfe gegen Regierungsvertreter und die damit ausgelösten innenpolitischen Turbulenzen, die zu einer Verunsicherung bei den Wirtschaftsvertretern führte und auch das Vertrauen von ausländischen Investoren belastete. Mit einer kräftigen Erhöhung der Leitzinsen von 4,5% auf 10% konnte die Zentralbank Ende Januar 2014 den weiteren Tiefgang der türkischen Lira, die seit Mai 2013 nahezu um 30% an Wert gegenüber dem EUR verloren hat, aufhalten.

Die starke Währungsabwertung der vergangenen Monate führte zu einer spürbaren Verteuerung von Importgütern und kurbelte so auch die Inflation an. Mit 7,4% liegt sie aktuell deutlich über dem Inflationsziel der Notenbank.

Die türkische Regierung plant diverse Maßnahmen und Reformen zur Verringerung ihres hohen Leistungsbilanzdefizits. Dazu gehört einerseits die Verringerung ihrer (Energie-) Importabhängigkeit u.a. durch die verstärkte Nutzung von Erneuerbaren Energien und die Stärkung ihrer Industrieproduktion sowie Förderung ihrer Exportwirtschaft. Ein prioritäres Thema ist hierbei auch die Stärkung der nationalen Sparquote durch die Förderung von Spareinlagen im privaten Rentenversicherungssystem. Außerdem wurden seit Beginn des Jahres 2014 diverse Einschränkungen auf den in der Türkei stark ausgeprägten kreditfinanzierten Privatkonsum auferlegt.

(Quelle: Auswärtiges Amt/Wirtschaft)

Die Ausfuhren verteilen sich wie folgt:

Vor allem in der Westtürkei sind die Leicht- und Schwerindustrie stark vertreten (Textil, Fahrzeuge, Chemie, Maschinen, Elektrobranche) und tragen ca. 25% zum BIP bei. Größten Anteil am BIP (ca. 60%) hat der Dienstleistungssektor mit weiter steigender Tendenz. Laut Angaben der Weltbank arbeiten noch über ein Drittel der Erwerbsbeschäftigten in der Landwirtschaft und leisten einen Beitrag von knapp 10% zum BIP. Im auch infrastrukturell vergleichsweise geringer entwickelten Osten und Südosten wird überwiegend Landwirtschaft betrieben. Im Südosten werden seit Mitte der 1980er Jahre erhebliche Entwicklungsanstrengungen unternommen (GAP-Projekt mit Staudämmen, Kraftwerken, Elektrifizierung, Bewässerungsanlagen, Agrarindustrie, Straßen, Telekommunikation), was das bestehende West-Ost Gefälle aber bisher nur wenig verringern konnte.

(Quelle: Auswärtiges Amt/Wirtschaft)

Die Hauptexportpartner sind:

 

Insgesamt bleibt die Arbeitslosigkeit, insbesondere die Jugendarbeitslosigkeit, ein gravierendes Problem. Aus der überwiegend jungen Bevölkerung drängen jährlich mehr als eine halbe Million Arbeitssuchende auf den Arbeitsmarkt und können dort nicht absorbiert werden. Hinzu kommt das starke Gefälle zwischen strukturschwachen ländlichen Gebieten (etwa im Osten und Südosten) und den wirtschaftlich prosperierenden Metropolen. Auf der Suche nach Arbeit und besseren Lebensbedingungen wandert die ländliche Bevölkerung daher weiterhin in die Städte und industriellen Zentren ab. Das führt in diesen Zentren mitunter wiederum zu sozialen Verwerfungen.

Die durchschnittliche Arbeitslosenquote lag Ende 2013 bei 10,0%. Sie ist damit im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen. Herausforderungen für den Arbeitsmarkt bleiben der weiterhin hohe Anteil der Schwarzarbeit und die niedrige Erwerbsquote von Frauen. Dabei bezieht der überwiegende Teil der in Industrie, Landwirtschaft und Handwerk erwerbstätigen Arbeiter weiterhin den offiziellen "Mindestlohn". Er wurde für das erste Halbjahr 2014 auf 1.071 Türkische Lira brutto (rund 350 €) festgesetzt. Die Entwicklung der Realeinkommen hat mit der Wirtschaftsentwicklung nicht Schritt halten können, so dass insbesondere die ärmeren Bevölkerungsschichten am Rande des Existenzminimums leben.

 

(Quelle: Auswärtiges Amt/Wirtschaft)

 

Einstufung in Länderratings

 

Land
Position 1

Rang Deutschlands

Rang der Türkei

Global Competitiveness Index 2013-2014

 

Schweiz

4

44

Corruption Perceptions Index 2013

 

Neuseeland

12

53

Index of Economic Freedom 2014

 

Hongkong

18

64

Foreign Direct Investment Confidence Index 2013

United States

 

7

nicht in den TOP 25

Doing Business 2013

Singapur

21

69