Ungarn

Wirtschaft

 

Die ungarische Wirtschaft befand sich schon vor der Finanz- und Wirtschaftskrise auf einem deutlich abgeschwächten Wachstumspfad. Auf eine Talfahrt des BIP im Jahre 2009 (-6,7%) folgten jedoch zwei Jahre leichten Wachstums mit 1,2% im Jahr 2010 und 1,7% im Jahr 2011. Dieser Trend setzte sich 2012 nicht fort: Bis Dezember 2012 schrumpfte die ungarische Wirtschaft um 1,4% des BIP.

Nachdem das BIP im 2.Quartal 2013 erstmalig wieder um 0,5 % gestiegen war, setzte sich der Trend in den folgenden Quartalen fort, so dass die ungarische Wirtschaft nach vorläufigen Berechnungen im Jahr 2013 insgesamt um ca. 1,2 % gewachsen ist. Für das Jahr 2014 wird ein Wirtschaftswachstum von 2-2,1% erwartet.

(Quelle: Auswärtiges Amt/Wirtschaft)

 

2010

2011

2012

2013*

2014*

Bruttoinlandprodukt (BIP, nom., Mrd. Euro)

98,9

97,0

98,0

102,8

BIP je Einwohner (Euro)

9.600

9.900

9.800

Inflation (in %)

3,9

5,7

2,1

2,2

Arbeitslosigkeit (in %)

10,9

10,9

11,0

10,4

Währung: Forint (Ft)

Kurse (Ankauf) 1 EUR = ? Ft

Kurse (Ankauf) 1 US$ = ? Ft


 

 

Warenexporte in Mrd. Euro

72,0

80,7

80,9

 

Warenimporte in Mrd. Euro

66,5

73,6

74,2

 

Zuflüsse ausländischer Direktinvestitionen
in Mrd. US$, Bestand 2012: 100.499,4

2.199,1

5.845,0

13.752,9

 

Deutsche Einfuhr (in Mrd. EUR)

16,4

18,2

18,7

 

Deutsche Ausfuhr (in Mrd. EUR)

14,1

15,8

16,4

 

* Prognose bzw. Schätzung

(Quelle: gtai/Wirtschaftsdaten Kompakt November 2013)

 

Die ungarische Regierung verfolgt erklärtermaßen zwei wirtschaftspolitische Ziele: Die Schaffung einer Million neuer Arbeitsplätze in 10 Jahren und die Umgestaltung der gesetzlichen Rahmenbedingungen, um Ungarn zur „wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaft in Europa“ zu machen.

Haushaltspolitisches Credo Ungarns ist der Abbau der Verschuldung. Nach einem Defizit des BIP im Jahr 2009 schloss der Haushalt im Jahr 2011 mit einem Plus von 4,2% des BIP ab. Dies wurde vor allem mit der Verstaatlichung der privaten Zusatzrentenversicherung erreicht, deren Kapitalrücklagen in den Haushalt eingestellt wurden und auch zur Reduzierung der Verschuldung genutzt wurden. Im Jahr 2012 lag das Defizit bei 2,0% des BIP, während es im 3. Quartal 2013 bei 2,9% lag. Der Schuldenstand der öffentlichen Hand (gemessen am BIP) stieg von 79,8% (2009) auf 81.4% (2010) an. Im Jahr 2011 sank er leicht, blieb aber noch über der 80-Prozent-Marke, um im Jahr 2012 mit 77,6% deutlich unter diese Schwelle zu sinken.

Im Juni 2013 ist Ungarn erstmalig seit seinem Beitritt zur EU aus dem Europäischen Defizitverfahren entlassen worden.

Im Jahr 2010 führte die Regierung Orbán eine Bankensteuer sowie eine Sondersteuer für die Bereiche Energie, Telekommunikation und Einzelhandel ein. Im Januar 2012 wurde die Mehrwertsteuer auf 27% erhöht. Durch den Kálmán-Széll-Plan sollen die öffentlichen Finanzen weiter verbessert werden. Als Ersatz für die 2012 auslaufenden Sondersteuern wurden Steuern auf Telefonate, Internetverbindungen und alle finanziellen Transaktionen erhoben, die Energiesteuer wurde von 8 auf 16% erhöht. Ferner wurde zum Jahresbeginn 2013 die sogenannte „Kabelsteuer“ eingeführt, die - von wenigen Ausnahmen abgesehen - jeden Meter Versorgungsleitung (Gas, Strom, Wasser, Telekommunikation etc.) mit einer Steuer belegt.

Die Entwicklung des ungarischen Exports verläuft nach einem Einbruch in der Wirtschaftskrise wieder positiv. 2011 betrugen die Exporte rund 79,9 Mrd. Euro, womit der bisherige Höchststand von 2008 (73,3 Mrd. Euro) überschritten wurde. Auch im Jahr 2012 stiegen die Exporte -obgleich nur leicht- um 0,2% zum Vorjahr, so dass die Summe der Exporte rund 80,1 Mrd. Euro betrug. Nach vorläufigen Berechnungen setzte sich dieser Trend 2013 fort: Der Wert der Ausfuhren stieg um 2,5% auf 81,9 Mrd. Euro Mehr als drei Viertel der ungarischen Exporte gehen in die EU, allein über ein Viertel nach Deutschland. Damit ist Deutschland der mit Abstand wichtigste Wirtschaftspartner Ungarns. Entsprechend hoch sind die ungarischen Erwartungen an eine anhaltende Konjunkturbelebung in Deutschland. Ungarn erzielte 2011 und 2012 im Handel einen Überschuss von rund 6,9 Mrd. Euro ; ein Wert, der 2013 auf rd. 7,2 Mrd. Euro stieg. Der Handelsüberschuss mit Deutschland betrug 2011 rd. 2,4 Mrd. Euro, sank 2012 auf gut 1,8 Mrd. Euro und dürfte im Jahr 2013 nach vorläufigen Berechnungen wieder ca. 2,4 Mrd. Euro erreichen.

Das Inflationsziel der ungarischen Nationalbank (MNB) liegt bei unter 3%. Die Inflation lag 2011 bei 3,9% und 2012 bei 5,7%. Mit Jahresbeginn 2013 scheint eine Trendwende vollzogen:Während die Inflation im August noch 2,3% betrug, wurde sie zum Jahresende 2013 mit 1,7% ausgewiesen. Seit August 2012 hat die ungarische Nationalbank MNB den Leitzins in mehreren Schritten von 7% auf nunmehr 2,7% (Stand Februar 2014) gesenkt.

Die ungarische Währung Forint schwankt seit Februar 2008 frei gegenüber dem Euro. In der Finanzkrise 2008 sank der Kurs kurzzeitig bis auf 315 Forint pro Euro, stabilisierte sich im Herbst 2011 auf ca. 290 Forint pro Euro und verlor durch umstrittene Maßnahmen der Regierung und eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit Ungarns. Im Jahresmittel 2012 lag der Kurs bei durchschnittlich 290 Forint je Euro, während der Durchschnittskurs 2013 297 Forint je Euro erreichte.

Die Arbeitslosenquote lag 2010 bei 11,2%,2011 bei 10,9% und 2012 bei 10,7%. Nach Angaben des ungarischen Statistikamtes erreichte die Arbeitslosenquote im Jahr 2013 10,2%. Die Erwerbsquote lag Ende 2013 bei 52,7%.

(Quelle: Auswärtiges Amt/Wirtschaft)

Die Ausfuhren verteilen sich wie folgt:

Die Hauptexportpartner sind:

Deutschland ist mit einem Anteil von 24% mit Abstand größter ausländischer Direktinvestor in Ungarn. Insgesamt betrug der Bestand an ausländischen Direktinvestitionen Ende des zweiten Quartals 2012 rund 71,6 Mrd. Euro. Eine der größten Einzelinvestitionen in Ungarn ist das Audi-Werk im westungarischen Raab/Győr, in das bislang rund 3,3 Mrd. Euro investiert wurden. Weitere Großinvestitionen sind das 2012 eröffnete Mercedes-Werk in Kecskemét (800 Millionen Euro) und das Opel-Werk in Szentgotthardt (500 Mio. Euro). Neben weiteren deutschen Großinvestoren (darunter Allianz, Bosch, Deutsche Telekom, RWE, SAP, ZF) sind zahlreiche mittelständische Unternehmen in Ungarn aktiv. Deutsche Unternehmen genießen im Land durch Vermittlung von Managementwissen und Fachausbildung hohes Ansehen. Die Reihe deutscher Investitionen in Ungarn setzt sich fort mit dem Neubau eines Gaskraftwerks durch E.ON in Gönyü, der Erweiterung der Produktionsanlagen durch Knorr Bremse in Budapest und Kecskemét, dem Bau eines Turbinenschaufelwerks durch Siemens und der Duna Drava Cement Kft, eine Tochter der Heidelberg Zement, die die Technologie ihres Werks in Beremend erneuert. Wichtig ist auch die Beteiligung von Hochtief an der Betreiber­gesellschaft des Budapester Flughafens. Im Rahmen der Außenwirtschaftsförderung setzt sich die Bundesregierung dafür ein, dass sich die Investitionsbedingungen für die in Ungarn tätigen deutschen Unternehmen nicht verschlechtern.

(Quelle: Auswärtiges Amt/Wirtschaft)

Einstufung in Länderratings

 

Land
Position 1

Rang Deutschlands

Rang Ungarns

Global Competitiveness Index 2013-2014

 

Schweiz

4

63

Corruption Perceptions Index 2013

 

Neuseeland

12

54

Index of Economic Freedom 2014

 

Hongkong

18

51

Foreign Direct Investment Confidence Index 2013

United States

 

7

nicht in den TOP 25

Doing Business 2013

Singapur

21

54