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Estland    
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Nach dem Abschluss der Beitrittsverhandlungen Ende 2002 und der Unterzeichnung der Verträge im April 2003 war Estland im September 2003 eines der letzten Beitrittsländer, in denen das Referendum abgehalten wurde. Bei einer über den Erwartungen liegenden Wahlbeteiligung von 64 % stimmten 66,8 % der Stimmberechtigten für den Beitritt ihres Landes zur EU. Ebenfalls im Frühjahr 2004 trat Estland der NATO bei.

Mit einem BIP von nicht einmal 9 Mrd. € gehört Estland zu den kleinsten Ländern der EU. Seine reformorientierte Wirtschaftpolitik, das ausgesprochen liberale Handelsregime sowie schnelle Fortschritte beim strukturellen Umbau der Volkswirtschaft haben es zu einem der dynamischsten Wirtschaftsstandorte in Europa werden lassen.
Der Privatisierungsprozess ist im regionalen Vergleich weit fortgeschritten. Rund 80 % des BIP werden mittlerweile im Privatsektor erwirtschaftet. Nach einem Realwachstum von 5,1 % im Jahr 2003 dürfte das BIP 2004 ersten Schätzungen zufolge um rund 6 % gewachsen sein. In den ersten drei Quartalen 2004 belief sich der reale BIP-Zuwachs gegenüber dem Vorjahr auf 6,3 %.

Die Investitionen stiegen vor dem Hintergrund des EU-Beitritts um ca. 7 %, was die Basis für eine anhaltend lebhafte Binnennachfrage bildet. Estland erweist sich als attraktiv für inländische wie ausländische Investoren. Zum einen werden Ausländer Einheimischen gleichgestellt, zum anderen herrscht ein günstiges Steuersystem.
Estland ist das einzige EU-Land, in dem reinvestierte Unternehmensgewinne gänzlich steuerfrei sind. Für ausgeschüttete Gewinne gilt derzeit ein Steuersatz von 26 %, der aber nach den Plänen der Regierung noch in diesem Jahr auf 24 % und bis 2007 auf 20 % sinken soll.

Der Handel mit Rohstoffen und Halbfabrikaten aus den Bereichen Holz, Textil und Metall stellt den Kern der estnischen Wirtschaft dar. Hier wird etwa ein Drittel des BIP generiert. Daneben wird die Wirtschaft auch durch den Servicesektor, insbesondere in den Branchen Transport und Tourismus, gestützt.

Die Warenexporte profitierten 2004 vom EU-Beitritt und stiegen gegenüber dem Vorjahr um rund 18 %. Die Importe nahmen als Reflex der robusten Binnennachfrage sogar um über 20 % zu. Damit weitete sich das Handelsbilanzdefizit 2004 nochmals aus.
Die hohen Einfuhren werden größtenteils für Investitionen verwendet, die die Produktivität und damit einhergehend die Wettbewerbsfähigkeit in der Zukunft verbessern. 30 % der Importe sind Maschinen und Ausrüstungen, weitere 10 % entfallen auf Transportmittel.
Fast 70 % der Exporte gehen in die "alten" EU-Länder. Deutschland (10 %) ist neben Finnland (26 %) und Schweden (15 %), einer der wichtigsten Handelspartner Estlands. Der deutsche Export nach Estland besteht im wesentlichen aus Transportmitteln, insbesondere Kfz, Maschinen und Anlagen, chemischen Produkten und Lebensmitteln, während aus Estland überwiegend Holz und Holzprodukte, Textilwaren sowie Metall importiert wurden.

Seit seiner Unabhängigkeit hat sich die Liberalisierung, Deregulierung und Privatisierung der Wirtschaft in beachtlicher Geschwindigkeit vollzogen. Estland ist alles in allem gut auf die Integration in die EU vorbereitet. 2005 ist geplant mit dem bestehenden Wechselkurssystem in das EWSII einzutreten, um bereits 2007 den Euro einführen zu können. Die Kombination aus wirtschaftlicher Dynamik und Preisniveaustabilität schafft Vertrauen bei Investoren und bietet so gute Voraussetzungen für den wirtschaftlichen Aufholprozess.

Quellen:
Länderanalyse Estland (Stand: 02/2005)
Auswärtiges Amt: Länderinformationen Estland (Stand: 03/2005)


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