Elektronische Beschaffung 2009
Stand der Nutzung im Mittelstand, in Großunternehmen und Konzernen Autoren: Bogaschewsky, R.; Broens, M.; Müller, H. Herausgeber: Bogaschewsky/BME Vertrieb durch: Centrum für Supply Management Seiten: 83/ 86 Abbildungen Sprache: deutsch Format: DIN A4 / Rinbindung Erschienen: 09.11.2009 Artikelnummer/ISBN: 978-3-941048-02-7 Preis: 45,79 EUR (netto)
ACHTUNG: Die Studie kann als PDF kostenlos unter www.cfsm.de heruntergeladen werden.
Als ein zentrales Mittel, die Beschaffungsprozesse im heute vorherrschenden
dynamischen und komplexen Marktumfeld effizienter und effektiver zu gestalten,
ist die Auseinandersetzung mit modernen Informations- und
Kommunikationstechnologien unumgänglich. Der Bundesverband Materialwirtschaft,
Einkauf und Logistik e. V. (BME) hat daher gemeinsam mit dem Lehrstuhl für
Industriebetriebslehre (Prof. Dr. Ronald Bogaschewsky) der Universität Würzburg
und dem CfSM – Centrum für Supply Management die Studie zum Einsatz von Lösungen
bzw. Systemen zur elektronischen Beschaffung in Deutschland erstellt.
Die Studie basiert auf einer Befragung, die im Jahre 2009 durchgeführt wurde und
an der sich 188 Unternehmen beteiligten. Darunter befanden sich etwa 60 % kleine
und mittelständische Unternehmen (KMU, < 2000 Mitarbeiter) und 40 %
Großunternehmen/Konzerne (GU/K). Im Fokus standen die Systemklassen
katalogbasierte Beschaffungslösungen, E-Sourcing (getrennt in Ausschreibungen
und Auktionen), E-Collaboration (getrennt in die Anwendungsbereiche Forschung
und Entwicklung (F&E), Abstimmung von Produktionsplänen und Lieferkonzepten
sowie Qualitätsmanagement) und Lieferantenbewertung.
Über alle befragten Unternehmen hinweg betrachtet, konnten bisher drei E-Procurement-Systeme
in die breite Anwendung gelangen. Bei katalogbasierten Beschaffungssystemen
verzichtet aktuell nur noch je-des fünfte Unternehmen auf einen Einsatz, ohne
Tools für Ausschreibungen und Lieferantenbewertung planen derzeit nur ca. 40 %
der Unternehmen. Die anderen untersuchten Systeme für Auktionen und E-Collaboration
finden hingegen bei der Mehrheit aller befragten Unternehmen noch keinen
Einsatz.
Wird des Weiteren hinsichtlich der Unternehmensgröße differenziert, so lässt
sich erkennen, dass die Gruppe derjenigen, die bisher auf diese Systeme
verzichten, mit Einschränkungen im Bereich der E-Collaboration, stark von KMU
dominiert wird. Hierbei zeigt sich in der Studie, dass dies nicht ausschließlich
durch die geringere Unternehmensgröße und das damit kleinere
Beschaffungspotenzial bedingt ist.
Im Durchschnitt profitieren die befragten KMU zwar etwas weniger von den
Effekten der Systeme, so dass hier sicherlich allgemein andere
Kosten-Nutzen-Einschätzungen als bei GU/K existieren. Nichtsdestotrotz muss man
betonen, dass allein die messbaren Einsparungen auch bei KMU erheblich sind: Bei
den Einstandspreisen und Prozesskosten geben schon mit Abschluss der Pilotphase
KMU im Mittel jeweils bis zu 30 % bei der Beschaffung über katalogbasierte
Systeme und im Bereich E-Sourcing 8 % und 5 % an, wobei weitere Einsparungen
noch im laufenden Betrieb hinzukommen. Damit profitieren KMU bei katalog-basierten
Beschaffungssystemen sogar etwas stärker als GU/K – hier betragen mit Abschluss
Pilotphase die Einsparungen bei den Einstandspreisen im Durchschnitt 10 % und
bei den Prozesskosten 27 %. Im Bereich E-Sourcing liegen die durchschnittlichen
Einsparungen mit 10 % und 8 % leicht höher. Auch wenn die Ausgangssituation sich
in jedem Unternehmen anders darstellen mag, zeigen die Untersuchungen klar, dass
sich auch KMU intensiv mit diesen Themengebieten auseinandersetzen müssen – ein
pauschales „Das bringt sowieso nichts!“ wird in der Befragung nicht bestätigt.
Die Nutzungsintensität ist von System zu System unterschiedlich. Am weitesten
verbreitet/fortgeschritten ist der Einsatz im Bereich Lieferantenbewertung –
hier geht auch die Einführung am schnellsten vonstatten. Den Gegenpol bilden
Auktionen, die weit davon entfernt sind, ein Standardtool für die Durchführung
von Verhandlungen zu sein. Bei katalogbasierten Beschaffungssystemen und im
Wesentlichen auch bei Ausschreibungen sind aktuell die Nutzungsintensitäten der
Unternehmen mehr oder weniger gleichmäßig über das mögliche Beschaffungsvolumen
verteilt, nur wenige haben hier die vollumfängliche Nutzung erreicht. Im Bereich
E-Collaboration lässt sich grundsätzlich konstatieren, dass – sofern diese Tools
genutzt werden – offenbar auch in den meisten Unternehmen die darüber betreuten
Lieferantenbeziehungen sukzessiv ausgebaut werden. Der Bereich
Qualitätsmanagement ist dabei am weitesten fortgeschritten, gefolgt von der
Abstimmung von Produktionsplänen/Belieferungskonzepten und Tools für die
Zusammenarbeit in Forschung und Entwicklung. Nennenswerte Unterschiede in der
Nutzungsintensität gibt es zwischen KMU und GU/K über alle Lösungen hinweg
betrachtet nicht.
Die Nutzungsintensität legt bereits nahe, dass der unternehmensweite Roll-out
auf alle Standorte in vielen Unternehmen – insbesondere international – noch
nicht abgeschlossen ist. Hier haben interessanterweise die katalogbasierten
Beschaffungssysteme den höchsten Nachholbedarf.
Betrachtet man die Erwartungen, so werden grundsätzlich alle Lösungen weiter
ausgebaut. Die stärkere Fokussierung auf katalogbasierte Beschaffungssysteme
sowie Tools für Ausschreibungen und zur Lieferantenbewertung bleibt aber
voraussichtlich weiter bestehen. Dies dokumentiert auch die Tatsache, dass 36 %
der Unternehmen Hinderungsgründe bei katalogbasierten Beschaffungssystemen
sehen, bei der Lieferantenbewertung sind dies 45 %, im Bereich E-Sourcing (nicht
nach Ausschreibungen und Auktionen getrennt) 57 % und bei E-Collaboration 63 %.
Während bei KMU als Hinderungsgründe eher mangelndes Potenzial, zu hohe Kosten
oder fehlende technische Voraussetzungen im Vordergrund stehen, spielen bei GU/K
innerbetriebliche Widerstände und mangelnde Managementunterstützung eine größere
Rolle. Die Motivationsgründe für den Einsatz von E-Sourcing und E-Collaboration
(Kataloge und Lieferantenbewertung wurden nicht untersucht) liegen vor allem in
der Prozessoptimierung sowie in der Erhöhung der Transparenz und Compliance.
Erst danach folgen im Bereich E-Sourcing Einstandspreissenkungen u.Ä. Der
„externe“ Anstoß durch Unternehmensleitung, andere Abteilungen, Lieferanten oder
die Konkurrenz spielt nur eine untergeordnete Rolle. Tendenziell scheinen KMU
durch die möglichen Vorteile der Systeme geringer als GU/K motiviert und werden
im Vergleich zu GU/K häufiger „extern“ angeschoben.
Auf der Seite der Systeme dominiert nach wie vor der Einsatz individueller
Lösungen (Buy-Side-Lösungen) klar in allen Bereichen so genannte „öffentliche“
Lösungen – eine Umkehr dieses Trends wieder hin zu offenen, zentralen
Plattformen scheint vorerst nicht in Sicht. Interessanterweise führt der Einsatz
von individuellen Lösungen nicht zwangsläufig zu einem hohen Integrationsgrad
der Anwendungen, da die Systeme in vielen Unternehmen offenbar unabhängig
voneinander geplant und eingeführt werden. Die Funktionalität und
Bedienerfreundlichkeit wird im Durchschnitt bei allen Lösungen positiv bewertet.
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass nach katalogbasierten
Beschaffungssystemen, die schon seit geraumer Zeit aus dem Tagesgeschäft vieler
Unternehmen nicht mehr wegzudenken sind, mittlerweile auch Tools zur
Lieferantenbewertung und für Ausschreibungen ihren festen Platz im
Instrumentarium des Einkaufs gefunden haben. Differenziert ist das Bild für
Auktions- und E-Collaboration-Lösungen zu betrachten. Während die Komplexität im
Bereich der Zusammenarbeit die Einführung von Lösungen zwangsläufig verlangsamt,
scheinen sich Auktionen auf breiter Basis nach wie vor nicht etablieren zu
können.
Egal welche Lösung man betrachtet: Der Einkauf ist gefragt, um zum einen in
fundierten Analysen die Potenziale der Lösungen dem notwendigen Aufwand
gegenüberzustellen und zum anderen die inner-betriebliche Konsolidierung und
Transparenz der notwendigen Daten voranzutreiben. Insbesondere KMU haben in
diesem Bereich eindeutig noch Nachholbedarf. Sicherlich ist der Einsatz nicht
jeder Lösung für jedes KMU per se vorteilhaft, aber in den Unternehmen muss eine
offene und rationale Diskussion über die damit verbundenen Chancen geführt
werden. Nicht zuletzt setzen die Unternehmen, die diese Lösungen bereits nutzen,
– ganz gleich ob GU/K oder KMU – konsequent weiterhin auf Ausbau. Ein besseres
Argument, dass E-Procurement den Unternehmen hilft, im Wettbewerb zu bestehen,
kann es kaum geben.
Sehr geehrter Besucher, sollte ein Link auf unsere
Internetpräsenz auf Ihre Homepage verweisen und Sie sind
damit nicht einverstanden, so schicken Sie bitte eine kurze
Mail und wir werden den Link sofort entfernen.